Die vollkommene Leere – H. M. Enzensberger

15 Aug

Ein erhabenes Ziel, gewiß,
nur meine Lunge
will nichts davon wissen.
Sie füllt sich, leert sich,
wenngleich nicht ganz.
Auch das Nervensystem
stört, meldet sich,
meldet Hitze. Vielleicht
ist sie ausgefallen,
die Klimaanlage? Nirgendwo
ein Nirwana, immer schrillt
ein Telephon irgendwo,
und auf dem Balkon
summen die Wespen,
die es, so wie ich,
nicht weit gebracht haben
in der Kunst der Meditation.

Neustart der Copernicus Alliance

14 Aug

Logo Copernicus Alliance

Die neue Website der neu gestarteten “Copernicus Alliance” ist inzwischen online. Die ALlianz ist ein europaweites Netzwerk für Hochschulen, die sich aktiv für Nachhaltige Entwicklung einsetzen. Die nette Uni Bremen hat eine Tagung der HRK zu diesem Thema per Video dokumentiert: http://mlecture.uni-bremen.de/ml/index.php?option=com_content&view=article&id=158&Itemid=3 “Damit Leute selber anfangen, etwas anzufassen und zu entwickeln. Aber eigentlich ist der Challenge alles anders zu machen. Und eigentlich ist Sustainable Development nur möglich auf Basis von Innovation” (Hans von Ginkel).

widerstand und technologie

7 Aug

was macht einen “Gegenentwurf zur noch immer dominierenden Vorstellung eines primär auf Wachstum basierten Fortschritts” (ars electronica 2010, Startseite)  eigentlich aus, wenn diese so offensichtlich auf einen bruch mit dem altbekannten abzielen? wenn konzepte abseites der dominierenden vorstellungswelt gesucht werden sollten, erhoffen sich die aufbegehrenden den rettenden beistand doch nicht vonseiten der technologisch dominierenden massenkultur. doch? nicht?

das ars electronica festival 2010 in linz stellt sich jedenfalls doch voll und ganz vor die aufgabe, “Dinge selbst in die Hand zu nehmen und an die eigene Entwicklungsfähigkeit zu glauben”. na klar: die wünschenswerte zukunft hängt von unserer bewussten wahl ab, ob wir ein leben des bloßen konsumierens wollen und fördern, oder ob wir jene institutionen stärken, die eigenständige handlung und entwicklung fördern (ivan illich). technologie, wissenschaft, design und engineering sind auf diesem wege nur dann nützliche helferinnen, wenn wir uns bewusst machen, dass:

  1. die produkte der wissensproduktion
  2. die verfahren der wissensproduktion

gesellschaftlich relevant sind. der vermeintlich wertfreie zugriff auf die welt der dinge (im gegensatz zur welt der ideen) existiert so nicht. wissenschaften sprechen in einem maße zur gesellschaft, das uns bereits von der wissensgesellschaft oder -demokratie sprechen lässt.

das internet ist eine nette technologie: es erlaubt den aktiven eingriff statt nur passiven konsum zu befördern. verfolgen wir dies logik weiter, scheint es bei gesellschaftlich wünschenswerten technologien darum zu gehen, die bürgerinnen aus ihrer rolle als konsumentinnen zu befreien und sie (wieder) in die rolle von produzentinnen zu setzen.

von der konsumgesellschaft (wieder) zur produktionsgesellschaft werden?! aus sicht der sozialwissenschaften könnte ich mir – mit bezug auf die notwendigen verhaltensänderungen und fragen des wechselspiel von subjektivierung und vergesellschaftung – keine kompliziertere aufgabe vorstellen.

Schlagworte:

Wissenschaftstheoretisches

13 Jul

der folgenden report bezieht sich auf eine sitzung zum thema “wissenschaftstheorie” im Seminar „Quantitative and Qualitative Research Practice in Sustainability Science“ an der uni oldenburg … es mag also kein blog-eintrag im engeren sinne sein, aber nichtsdestotrotz passt es zu meinen aktuellen themen und daher auch in dieses blog:

report als PDF

Weiterlesen 

re-inventing mobility

10 Jul

in ihrem beitrag der konferenz und jetzt? – richtungen der zukunftan der hu berlin in diesem jahr hat die indische journalistin sunita narain gefordert, eine klima-resiliente welt zu errichten. dafür gelte es, viele lebensbereiche “neu zu erfinden”: mobilität und transport, energieversorgung und wirtschaftswachstum.

mit blick auf die mobilität hatte sie damit vermutlich aber eine ganz andere art der neuerfindung im sinn, als sie etwa von VW mit dem hybrid-SUV “touareg” oder die deutschen regierung mit ihrer “abwrackprämie” betrieben. konkret klagte sie ein, dass über das thema mobilität in deutschland nicht angemessen gesprochen werden könne. meines erachtens liegt das daran, dass die stimmen derjenigen, die mit der global einzigartigen motorisierungsrate in deutschland nicht einverstanden sind, gar nicht erst gehört werden. diese stimmen gehören auch menschen, die in das netzwerk des mobilen individualverkehrs eingebunden sind; die also selbst autofahren oder diese mit-nutzen, aber u die nachteile und ungerechtigkeiten dieser mobilitätsform wissen und ahnen, dass sie nicht auf dauer durchgehalten oder durch andere technologische lösungen substituiert werden kann.

die herausforderung besteht meines erachtens darin, diesen ungehörten stimmen gehör zu verschaffen (“making things public”) – das wäre tatsächlich ein sozial-ökologisches vorhaben. dabei geht es eher um kommunikation und bewusstseinsbildung, als um politische programme. die “abwrackprämie” jedenfalls hat ja nicht viel mehr bewirkt, als dass funktionsfähige gebrauchsgüter zerstört wurden um einen künstlichen markt für neuwagen zu schaffen und die krise in der automobilindustrie abzufedern.

sunita narain stellt am ende ihres vortrages jedenfalls die frage, was in deutschland getan wird, um den verkehr und damit die emissionen zu reduzieren. darauf erhält sie natürlich keine antwort. auch mir sind spontan keine maßnahmen eingefallen, die sich dieses ziel setzen. in hamburg ist aber womöglich gerade jemand auf eine etwas radikale idee zur lösung dieses problems gekommen: etwa 40 neuwagen sind in güterzug verbrannt (worden). brandstiftung könne jedenfalls nicht ausgeschlossen werden. alternative mobilitätskonzepte sind ja ausreichend vorhanden. wird zeit, dass auf den straßen platz geschaffen wird.

perspektivwechsel wissenschaft-wirtschaft

5 Jul

http://www.jakesonline.org/wall.jpgmehr durchlässigkeit! foto von jakespeak

rein in den elfenbeinturm! mehr als 60 unternehmerinnen und hochschulprofessorinnen haben in den vergangenen jahren für einen tag ihre jobs und büros getauscht. das programm heißt “perspektivwechsel” und wird von der brandenburgischen IHK und dem wissenschaftsministerium des landes aufgelegt. das ganze ist mehr als eine reine marketing-aktion und es wird – nehme ich an – auch mehr sein als ein motivationsprogramm für managerinnen. die durchlässigkeit zwischen den systemen, das verschwinden der grenzen zwischen den sphären wissenschaft, wirtschaft und politik ist vielmehr ein beobachtbarer, allgemeiner prozess.

wissenschaft, wirtschaft und politik sind dabei in gewisser weise gleichgestellt. wissenschaftlerinnen werden in neuen politikformen zu gesetzgeberinnen, auf unterschiedlichen wegen wurde die wirtschaftliche entwicklung mit wissenschaftlichen forschungsprozessen verknüpft und die wissenschaften sind selbst zum feld wirtschaftlicher und politischer auseinandersetzungen  geworden.

in diesem umfassenden prozess sehe ich mehr positibves als negatives. wenn die monopolistische ansprüche auf repräsentation (wissenschaft = natur, politik = kultur, wirtschaft = kapital) aufgebrochen werden, gewinnt die komplexität gegenüber der kompliziertheit. perspektiven zu übernehmen bedeutet, die eigenen grenzen zu überschreiten und neue sichtweisen auf bekannte probleme kennen zu lernen. im idealfall endet ein solches experiment in der überwindung funktionaler differenzierung. oder?

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.